Piazolo darf die Verantwortung für Schulen nicht abschieben

05. November 2020

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Dr. Simone Strohmayr warnt davor, die Schulen in der Corona-Krise mit den Problemen allein zu lassen. "Es reicht nicht, die Verantwortung auf die Verwaltung vor Ort zu verschieben. Die Gesundheitsämter arbeiten bereits weit über ihrer Belastungsgrenze. Ich erwarte von einem Kultusminister auch in einer schwierigen Situation verlässliche Leitplanken. Piazolo hat in seiner heutigen Pressekonferenz viel geredet, aber wenig gesagt", so Strohmayr.

Die Bildungspolitikerin Margit Wild kritisiert die Leistungskontrollen, die vor den Herbstferien gehäuft stattgefunden haben und vielfach von Eltern und Schülerinnen und Schülern beanstandet wurden. "Leistungserhebungen machen in der momentanen Situation noch weitaus mehr Druck als sonst und verstärken die ohnehin bestehenden Bildungsungleichheiten. Daher fordere ich von Minister Piazolo, Leistungserhebungen deutlich zu reduzieren und die Förderung in den Mittelpunkt zu stellen", sagt die Regensburger Abgeordnete.

Im Übrigen verweist Wild, die auch selbst Pädagogin ist, auf den Fünf-Punkte-Plan der SPD-Landtagsfraktion, der im einzelnen Folgendes vorsieht:

1. Zweite Runde Personalgewinnung – Mittel für pädagogisches Personal und Teamlehrkräfte verdoppeln

Bereits jetzt können über 12.000 Lehrkräfte nicht am Unterricht teilnehmen. Sie sind entweder in Quarantäne, schwanger oder krank. Die 800 vorgesehenen Teamlehrkräfte können da wenig ausrichten.

2. Fördern statt prüfen. Leistungserhebungen nur zur individuellen Förderung nutzen

Reine Notenerhebungen machen in diesen Zeiten überhaupt keinen Sinn. In diesem Schuljahr muss die Förderung und nicht die Prüfung im Mittelpunkt stehen. Jede Leistungserhebung muss Konsequenzen für die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers nach sich ziehen. Sonst können sie auch unterbleiben.

3. Lehrplanpriorisierungen für ganz Bayern vornehmen

Mit zehn Prozent weniger Lehrkräften sollte auch mindestens 25 Prozent weniger Stoff einhergehen. Das Kultusministerium muss deshalb eine Priorisierung des Lehrplans vornehmen, der für alle Schulen in Bayern gilt. Die Menge des Stoffs darf nicht davon abhängen, ob an einer Schule genügend Lehrkräfte da sind oder nicht. Hier hat die Bildungsgerechtigkeit oberste Priorität.

4. Distanzunterricht verbessern und einüben sowie selbstgesteuertes Lernen trainieren

50.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern waren schon wieder im Distanzunterricht. Sie müssen vorbereitet werden auf den neuen Alltag aus verschiedenen Phasen des Lernens in Präsenz und in Distanz. Das pädagogische Prinzip des selbstgesteuerten Lernens muss mit ihnen trainiert werden.

5. Luftfilter, Schnelltests und FFP2-Masken so rasch wie möglich bereitstellen

Um den Präsenzunterricht zu halten, ist es für Lehrerinnen und Lehrer von zentraler Bedeutung, dass sie dadurch nicht ihre Gesundheit und die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler gefährden. Alle Maßnahmen müssen dem Ziel dienen, den Gesundheitsschutz für Lehrerinnen und Lehrer zu organisieren. Ausrüstung zum persönlichen Schutz gehört ebenso dazu, wie technische Lösungen, die das Unterrichtsgeschehen sicher machen.

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