Wild pflanzt Baum anlässlich des 100. Geburtstags des Freistaats Bayern

25. April 2018

Die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild hat zusammen mit Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer einen Apfelbaum anlässlich des 100. Geburtstags des Freistaats Bayern gepflanzt. "Ich pflanze heute diesen Apfelbaum anlässlich des 100. Geburtstages des Freistaats Bayern. Möge er viele Früchte tragen, ein alter Baum werden und uns allen täglich ein Zeichen dafür sein, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und dass wir uns alle glücklich schätzen können, in dieser Welt leben zu können!", erklärt die SPD-Politikerin.

Am 7. November 1918 haben sich mehr als 60.000 Menschen auf der Theresienwiese in München versammelt. Gezeichnet vom Hungerwinter 1916/17, betroffen von 180.000 toten und 435.000 verwundeten bayerischen Soldaten, hatten die Menschen genug vom Weltkrieg und sie hatten auch genug von der Monarchie – also von jenem politischen System, das ihnen den Krieg und den Hunger überhaupt erst eingebrockt haben.

Margit Wild zusammen mit Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Matthias Jobst und Jürgen Huber beim Baum pflanzen
Margit Wild zusammen mit Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Matthias Jobst und Jürgen Huber beim Baum pflanzen

Kurt Eisner hielt eine mitreißende Rede und bald begann ein Demonstrationszug mit Eisner und dem Bauernführer Ludwig Gandorfer an der Spitze auf die Kasernen zu marschieren. Die Soldaten schlossen sich umgehend der Demonstration an. Schnell waren wichtige Gebäude besetzt und am Abend noch wurde ein Arbeiter- und Soldatenrat, sowie ein Bauernrat gebildet. Die Revolutionäre trafen sich anschließend im Bayerischen Landtag und noch in der Nacht rief Kurt Eisner den „Freien Volksstaat Bayern“ aus. Die Räte wählten ihn zum Ministerpräsidenten und die Wittelsbacher Monarchie wurde abgesetzt. König Ludwig III. floh auf Schloss Wildenwart am Chiemsee – es wurde in dieser bayerischen Revolution kein Tropfen Blut vergossen.

Die Regierung machte sich gleich ans Werk und war fleißig: Es wurde der Acht-Stunden-Tag eingeführt, fortan durften auch Frauen wählen und es gab nun eine Arbeitslosenversicherung in Bayern. Außerdem wurde die geistliche Schulaufsicht abgeschafft.

"All das sind Grundpfeiler des demokratischen Bayerns, auf das wir heute so stolz sind. Vor 100 Jahren haben Kurt Eisner und seine Mitstreiter revolutionäre und progressive Politik gemacht. Sie wussten dabei sehr wohl, dass sie mächtige Gegner und Feinde bekommen werden und dass diese Ideen nicht bei allen Menschen auf Gegenliebe stoßen würden. Aber sie waren von ihren Idealen überzeugt und sind für sie eingestanden", so Margit Wild.

Im Falle Kurt Eisners hat er mit seinem Leben bezahlen müssen. Nur drei Monate nach der friedlichen Revolution wurde Eisner am 21. Februar 1919 vom rechtsextremen und monarchistischen Graf Arco erschossen.

Kurt Eisner hat mit der Beendigung der Monarchie und der Ausrufung des Freistaats ein zartes Pflänzchen der Demokratie gesät. Nach seinem Tod mussten viele Revolutionäre ebenfalls ihr Leben lassen oder wurden verprügelt, gefoltert, in Gefängnisse gesteckt. Auf den kurzen Winter der Räterepublik in Bayern folgte 1919 eine blutige Zeit mit mehr als tausend Toten. Besonders die rechten Freikorps gingen mit äußersten Brutalität vor – es war ein Vorgeschmack auf das, was ab 1933 in Deutschland passieren sollte.

"Dieses von Eisner gesäte Pflänzchen Demokratie aber war stark. Es hat sich auf lange Sicht durchgesetzt. Heute profitieren wir von der Weitsicht der Bürgerinnen und Bürger zur damaligen Zeit, von ihrem Mut, von ihrem Einsatz und von ihrer Bereitschaft für ein Ideal zu sterben. Aber trotz allem: Die Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit! Wir müssen jeden Tag aufs neue um sie kämpfen, wir müssen unsere Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität weitertragen, müssen sie hegen und pflegen", so abschließend Wild.